Makro, inflace a sazby
Die Zinskurve und was sie vorhersagt
Das Wichtigste
- Die Zinskurve zeigt Staatsanleiherenditen für verschiedene Laufzeiten — von kurzfristig bis langfristig.
- Normalerweise sind langfristige Anleiherenditen höher als kurzfristige — Investoren verlangen eine Prämie für die Zeit.
- Eine invertierte Kurve entsteht, wenn kurzfristige Renditen langfristige übertreffen — historisch ist das ein Frühindikator für wirtschaftliche Verlangsamung.
- Die Zinskurve ist einer von vielen Indikatoren, kein unfehlbares Prognose-Instrument.
- Ein langfristiger Investor investiert unabhängig von der Kurvenform — wichtig ist der Plan, nicht Macro-Timing.
Die Zinskurve (Yield Curve) stellt die Renditen von Staatsanleihen nach ihren Laufzeiten dar — von kurzfristig bis langfristig. Sie ist eines der meistbeachteten makroökonomischen Instrumente, weil sie die Markterwartungen über den künftigen Verlauf der Zinsen und der Wirtschaft widerspiegelt.
Normale vs. invertierte Kurve
Unter normalen Bedingungen sind langfristige Anleiherenditen höher. Investoren verlangen eine Prämie dafür, ihr Geld länger zu verleihen — sie sind größerer Unsicherheit ausgesetzt. Wenn kurzfristige Renditen langfristige übersteigen, spricht man von einer invertierten Zinskurve. Das signalisiert, dass der Markt künftige Zinssenkungen erwartet — meist als Reaktion auf eine wirtschaftliche Verlangsamung.
Warum Ökonomen sie beobachten
Historisch hat in den USA einer invertierten Zinskurve mit gewissem Verzug ein wirtschaftlicher Abschwung (Rezession) gefolgt. Es handelt sich also um einen sogenannten Frühindikator — keine Gewissheit, aber ein statistisch starkes Signal. Zentralbanken und Analysten verfolgen ihn als einen von vielen Eingaben für ihre Prognosen. Mehr zu Rezessionen im Artikel über Rezessionen.
Was man in der Praxis beobachtet
- Am meistbeachtetsten ist der Spread zwischen 10-jährigen und 2-jährigen (oder 3-monatigen) US-Staatsanleihen.
- Ein negativer Spread (kurzfristige Renditen über langfristigen) ist das traditionelle Warnsignal.
- In Tschechien entwickelt sich die tschechische Staatsanleihekurve ähnlich, wird aber weniger global verfolgt.
Wie Sie als Investor reagieren sollten
Eine invertierte Zinskurve ist kein Grund, Ihr Portfolio zu verkaufen. Markt-Timing auf Basis von Makrosignalen hat sich historisch nicht ausgezahlt — der durchschnittliche Investor, der aus Angst verkauft, verpasst einen Großteil der anschließenden Renditen. Ein diversifiziertes ETF-Portfolio mit regelmäßigem Investieren ist robuster als jede Makro-Timing-Strategie.
Häufige Fragen
Was ist die Zinskurve?
Ein Graph der Staatsanleiherenditen für verschiedene Laufzeiten. Normalerweise verläuft sie aufwärts — je länger die Laufzeit, desto höher die Rendite. Wenn sie sich umkehrt und kurzfristige Renditen langfristige übertreffen, spricht man von einer invertierten Kurve.
Was bedeutet eine invertierte Zinskurve?
Sie signalisiert, dass der Markt künftige Zinssenkungen erwartet, meist als Reaktion auf wirtschaftliche Verlangsamung. Historisch gingen in den USA Rezessionen ihr voraus, aber sie ist nicht unfehlbar und die Vorlaufzeit variiert.
Sollte ich Aktien bei einer invertierten Zinskurve verkaufen?
Nein. Makro-Timing auf Basis der Zinskurve ist statistisch nachteilig. Investoren, die beim Inversions-Signal verkauften, verpassten oft die Gewinne der anschließenden Erholung. Am Plan und regelmäßigem Investieren festhalten.