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Dow Jones: Warum der älteste Index heute eher ein Symbol als ein Maßstab ist
Das Wichtigste
- Der Dow Jones enthält nur 30 amerikanische Blue-Chip-Unternehmen, die von den Redakteuren des Wall Street Journal ausgewählt werden — ohne mechanische Kriterien.
- Der Index gewichtet Unternehmen nach dem Preis einer einzelnen Aktie, nicht nach der Marktkapitalisierung. Ein Unternehmen mit einer teuren Aktie hat mehr Einfluss, auch wenn es kleiner ist.
- Diese Methodik ist veraltet und verursacht Verzerrungen — deshalb bevorzugen Anleger und Akademiker den S&P 500 oder Gesamtmarktindizes.
- Der Dow Jones hat einen außergewöhnlichen historischen Wert: Die Daten reichen bis 1896, die längste Zeitreihe unter den Aktienindizes.
Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) ist der älteste amerikanische Aktienindex, der 30 ausgewählte Blue-Chip-Unternehmen nach dem Preis einer einzelnen Aktie gewichtet — eine Methodik, die ihn aus moderner Sicht eher zu einem historischen Artefakt als zu einem zuverlässigen Marktmaßstab macht.
Geschichte: von 1896 bis heute
Charles Dow startete den Index im Jahr 1896. Er enthielt ursprünglich 12 Industrieunternehmen und war ein einfacher Durchschnitt ihrer Kurse. Im Laufe der Jahre hat sich die Zusammensetzung verändert — heute enthält der Index Unternehmen wie Boeing, McDonald's, Johnson and Johnson und Goldman Sachs. Das Wort „Industrie" im Namen ist ein historisches Relikt, keine Beschreibung des Inhalts.
Die Zusammensetzung wird von den Redakteuren des Wall Street Journal bestimmt. Es gibt keine festen quantitativen Kriterien — es handelt sich um eine redaktionelle Entscheidung. Das verleiht dem Index eine besondere Prägung, bringt aber auch Unvorhersehbarkeit mit sich.
Kursgewichtung: eine grundlegende Schwäche
Im Gegensatz zum S&P 500 oder MSCI World gewichtet der DJIA Unternehmen nicht nach ihrem Marktwert, sondern nach dem Preis einer Aktie. Ein Unternehmen, dessen Aktien 300 Dollar kosten, beeinflusst den Index dreimal so stark wie ein Unternehmen mit Aktien für 100 Dollar — unabhängig davon, wie groß sie tatsächlich sind.
Die praktische Konsequenz: Ein Unternehmen kann einen Aktiensplit durchführen (eine Aktie in zwei günstigere teilen) und damit seinen Einfluss auf den Index über Nacht verringern. Das hat nichts mit seinem tatsächlichen Wert zu tun.
Wann der Dow Jones sinnvoll ist
- Historische Vergleiche bis ins 19. Jahrhundert
- Schnelle Marktstimmung in der Medienberichterstattung
- Verfolgung von Blue-Chip-Unternehmen als Gruppe
Um den breiteren amerikanischen Markt zu verstehen, ist der S&P 500 oder die Analyse des amerikanischen Marktes eine relevantere Wahl. Und für globale Diversifizierung der MSCI World.
Häufige Fragen
Was ist der Dow Jones vereinfacht gesagt?
Ein Index von 30 ausgewählten großen amerikanischen Unternehmen, gewichtet nach ihrem Aktienkurs. Es ist der älteste amerikanische Aktienindex, aber seine Methodik ist veraltet und die Investmentgemeinschaft hält ihn für einen weniger zuverlässigen Marktmaßstab als den S&P 500.
Warum ist der Dow Jones weniger genau als der S&P 500?
Er enthält nur 30 Unternehmen statt 500 und gewichtet sie nach dem Aktienkurs, nicht nach der Marktkapitalisierung. Ein Unternehmen mit einer teuren Aktie beeinflusst den Index mehr als ein größeres Unternehmen mit günstigen Aktien. Diese Methodik bringt Verzerrungen mit sich, die moderne Indizes nicht haben.
Wer entscheidet über die Zusammensetzung des Dow Jones?
Die Redakteure des Wall Street Journal, das Dow Jones, Inc. gehört (jetzt Teil von News Corp). Es gibt keine festen Auswahlregeln — es handelt sich um eine redaktionelle Entscheidung, anders als beim S&P 500, wo ein Komitee nach klaren Kriterien entscheidet.