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Verlustaversion: Warum Verluste doppelt so sehr schmerzen, wie Gewinne erfreuen

6 Min. LesezeitCompound

Das Wichtigste

Verlustaversion ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Verluste etwa doppelt so intensiv wahrgenommen werden wie Gewinne gleicher Höhe — und dieser asymmetrische Effekt liegt einer Reihe der teuersten Anlageentscheidungen zugrunde.

Was die Wissenschaft sagt

Daniel Kahneman und Amos Tversky zeigten in den 1970er Jahren, dass Menschen keine rationalen Nutzenmaximierer sind. Sie boten Versuchspersonen eine Wette an: 50% Chance, 150 CZK zu gewinnen, oder 50% Chance, 100 CZK zu verlieren. Mathematisch positiv, dennoch lehnten die meisten ab. 100 CZK zu verlieren wurde als schmerzhafter empfunden als der potenzielle Gewinn von 150 CZK angenehm war. Kahneman erhielt dafür den Nobelpreis. Mehr zu seinem Risikoansatz im Artikel über Risiko.

Wie Verlustaversion dem Anleger schadet

Sie äußert sich typischerweise in zwei entgegengesetzten Fehlern:

Praktischer Test: Schauen Sie sich jede Verlustposition an und fragen Sie sich: „Wenn ich nirgendwo Geld investiert hätte, würde ich das heute kaufen?" Wenn nicht — ist es vielleicht Zeit zu verkaufen. Der Kaufkurs ist irrelevant.

Mentales Buchhaltung als Verstärker

Das Gehirn führt für jede Investition ein eigenes „Konto" — es verfolgt, ob sie „im Plus" oder „im Minus" ist. Das Problem ist, dass ein Portfolio als Ganzes funktioniert. Eine Verlustposition, die das Gesamtbild bremst, kann auch neben anderen Gewinnen einen negativen Einfluss haben. Wechseln Sie die Perspektive zur Gesamtperformance des Portfolios, nicht zu einzelnen Positionen.

Wie man Verlustaversion bändigt

Häufige Fragen

Was ist Verlustaversion in einfachen Worten?

Ein psychologischer Effekt, bei dem Verluste ungefähr doppelt so stark schmerzen, wie ein gleich großer Gewinn Freude bereitet. Er ist wissenschaftlich bewiesen und liegt vielen fehlerhaften Anlageentscheidungen zugrunde.

Warum ist es schlecht, auf die Rückkehr einer Verlustposition auf den Kaufkurs zu warten?

Der Kaufkurs ist keine Marktinformation — dem Markt ist egal, was Sie bezahlt haben. Die richtige Frage lautet: „Ist diese Position zum aktuellen Preis attraktiv?" Wenn nicht, kann das Warten mehr kosten als der realisierte Verlust.

Woran erkenne ich, dass ich aufgrund von Verlustaversion entscheide?

Wenn Sie zögern, eine Verlustposition zu verkaufen, nicht weil Sie an ihre Zukunft glauben, sondern weil Sie den Verlust nicht „bestätigen" wollen — das ist Verlustaversion. Der Verlust existiert im Portfolio unabhängig davon, ob Sie ihn realisieren.

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