Strategie
Momentum-Investing für den Privatanleger
Das Wichtigste
- Der Momentum-Effekt ist akademisch belegt — Vermögenswerte mit zuletzt starker Rendite tendieren dazu, den Markt kurz- bis mittelfristig zu übertreffen.
- Die Strategie funktioniert auf Ebene von Aktien, Sektoren und Märkten, erfordert aber disziplinierte Rotation.
- Schwachstelle des Momentums ist die schnelle Umkehr — Verluste kommen bei Marktwendepunkten rasch.
- Privatanleger können Momentum über spezialisierte ETFs umsetzen.
- Handelskosten und Steuern können die reale Rendite erheblich schmälern.
Momentum-Investing beruht auf einem einfachen Gedanken: Vermögenswerte, die in den letzten sechs bis zwölf Monaten stärker als andere gestiegen sind, tendieren dazu, diesen Trend fortzusetzen.
Warum Momentum funktioniert
Der Effekt ist gut belegt — akademisch beschrieben von Jegadeesh und Titman im Jahr 1993 und seitdem durch Dutzende von Studien bestätigt. Der Grund? Eine Kombination aus Verhaltensverzerrungen: Anleger reagieren zu schwach auf gute Nachrichten, dann übertreiben sie, und der Trend verstärkt sich. Institutionelle Manager mit Benchmark-Druck kaufen ebenfalls, was steigt — und verkaufen, was fällt.
Wie man Momentum umsetzt
Es gibt drei grundlegende Ansätze für den Privatanleger:
- Aktien-Momentum: Kauf der Top-Dezil-Aktien nach 12-Monats-Rendite (minus letzter Monat) und Rotation des Portfolios quartalsweise oder monatlich. Erfordert Zeit und Aktivität.
- Sektorrotation: Beobachtung der relativen Stärke von ETFs in verschiedenen Sektoren und Allokation in die stärksten. Einfacher, aber immer noch aktiv.
- Momentum-ETFs: Fonds wie iShares MSCI World Momentum Factor (IWMO) oder Invesco S&P 500 Momentum (SPMO) übernehmen die Rotation nach einer definierten Methodik für Sie.
Kosten und steuerliche Realität
Aktive Portfoliorotation erzeugt Transaktionskosten und — je nach Haltedauer — steuerpflichtige Gewinne. Im tschechischen Kontext verlieren Sie den Anspruch auf die dreijährige Steuerbefreiung, wenn Sie Aktien oder ETFs früher verkaufen. Das reduziert die Nettorendite gegenüber einer passiven Strategie erheblich.
Für wen ist Momentum geeignet
Momentum ergibt als kleinerer Teil eines Portfolios (Satellit) Sinn für Anleger, die die Risiken verstehen, die Disziplin für mechanische Rotation aufbringen und eine höhere Besteuerung akzeptieren. Als alleinige Strategie ist sie für die meisten Privatanleger zu kostspielig und emotional belastend. Ein Vergleich mit dem passiven Ansatz findet sich im Artikel über aktives vs. passives Investieren.
Häufige Fragen
Was ist Momentum-Investing?
Eine Strategie, die Vermögenswerte mit zuletzt überdurchschnittlicher Rendite kauft und solche mit schwacher Rendite verkauft. Sie basiert auf dem akademisch belegten Effekt, dass Trends kurz- bis mittelfristig tendenziell anhalten.
Was sind die Hauptrisiken einer Momentum-Strategie?
Der sogenannte Momentum-Crash — eine schnelle Umkehr zu Beginn eines neuen Marktzyklus, wenn die bisherigen Gewinner am schnellsten verlieren. Außerdem hohe Transaktionskosten bei häufiger Rotation und der Verlust der Steuerbefreiung bei kurzen Haltedauern.
Wie kann ein Privatanleger Momentum nutzen?
Der einfachste Weg sind spezialisierte Momentum-ETFs (z. B. iShares MSCI World Momentum Factor), die automatisch nach Indexregeln rotieren. Die direkte Aktienauswahl erfordert Aktivität und Disziplin, mit der die meisten Privatanleger Schwierigkeiten haben.
Funktioniert Momentum auch am tschechischen Markt?
Die Datenlage für Tschechien ist begrenzt und der Markt ist klein. Momentum-Effekte sind am US-amerikanischen und globalen Aktienmarkt besser belegt. An der Prager Börse wären Liquidität und Transaktionskosten ein Problem.