CCompound

Sektory a témata

Bergbau und Industriemetalle: So investieren Sie in BHP, Rio Tinto und den Rohstoffsektor

6 Min. LesezeitCompound

Das Wichtigste

Eisenerz. Kupfer. Nickel. Lithium. Ohne diese Rohstoffe existiert die moderne Zivilisation nicht — kein einziges Rechenzentrum, kein einziges Elektroauto, kein einziger Windpark. Und dennoch wird der Bergbausektor von technologiefokussierten Anlegern systematisch ignoriert. Der Grund ist ein gutes Gedächtnis: Rohstoffzyklen sind brutal.

Wie das Bergbaugeschäft funktioniert

Bergbauunternehmen verkaufen physische Rohstoffe auf Weltmärkten zu Preisen, die sie selbst nicht kontrollieren. Die Abbaukosten sind relativ stabil, aber der Verkaufspreis hängt von globaler Nachfrage und Angebot ab. Das Ergebnis sind massive zyklische Gewinnsschwankungen.

Ein charakteristisches Merkmal des Sektors ist die enorme Kapitalintensität. Die Eröffnung einer neuen Mine kostet Milliarden von Dollar und dauert Jahre. Wenn Rohstoffpreise unter das rentable Niveau fallen, reduzieren oder stoppen Unternehmen Investitionen. Das schränkt das zukünftige Angebot ein und bereitet den Boden für den nächsten Preisanstieg — aber mit einer Verzögerung von 5–10 Jahren. Deshalb sind Rohstoffzyklen so tief und so schwer vorherzusagen.

BHP: das größte Bergbauunternehmen der Welt

BHP Group (BHP) ist ein australischer Gigant mit Primärnotierungen in Sydney und London. Es fördert Eisenerz, Kupfer, Nickel und historisch auch Kohle — die Kohledivision wurde 2022 als Reaktion auf ESG-Druck verkauft. Eisenerz macht den dominanten Gewinnanteil aus, aber das Unternehmen erweitert systematisch seine Kupferexposition im Hinblick auf die Elektrifizierung.

BHP ist eine defensivere Bergbauoption: niedrige Kosten, etablierte Minen, konsistente Dividende (wenn auch variabel nach Gewinn). Der australische Dollar fügt Währungsrisiko für Anleger aus dem Euroraum hinzu.

Rio Tinto: Eisen, Aluminium, Lithium

Rio Tinto (RIO) hat ein ähnlich diversifiziertes Profil, aber mit größerer Exposition auf Aluminium und Lithium. Seine Titan- und Borat-Divisionen werden weniger beachtet, bieten aber Zyklusresistenz. In den letzten Jahren geriet das Unternehmen unter Druck wegen der Zerstörung einer heiligen Stätte der Aborigines — der Fall Juukan Gorge — und das hat auf ESG- und Lizenzrisiken aufmerksam gemacht, die im Bergbau kritisch sind.

Glencore: Bergbau plus Handel

Glencore (GLEN) ist eine andere Art von Spieler. Es kombiniert Bergbau (Kobalt, Nickel, Kupfer, Kohle) mit globalem Rohstoffhandel. Die Handelsdivision verdient auch bei niedrigen Rohstoffpreisen dank Marktvolatilität. Das macht Glencore zu einer weniger reinen Rohstoffexposition, aber gleichzeitig widerstandsfähiger in einem tiefen zyklischen Abschwung.

Glencore ist einer der weltgrößten Produzenten von Kesselkohle geblieben — eine bewusste strategische Entscheidung mit Ertrag, für die es viele ESG-Anleger aus Portfolios ausschließen. Für Anleger ist es eine Frage der bewussten Entscheidung.

Rohstoff-Superzyklus? Nach dem Jahrzehnt 2010–2020, in dem die Industriemetallpreise aufgrund chinesischer Überkapazitäten gedrückt waren, entstand die These eines mit der Elektrifizierung verbundenen Rohstoff-Superzyklus. Kupfer, Lithium und Nickel sind für die Energiewende kritisch. Ob es sich um einen echten Superzyklus handelt oder um eine Wiederholung früherer übertriebener Erwartungen, wird erst die Zeit zeigen — aber die strukturelle Nachfrage ist real.

Der ETF-Ansatz: XME und Alternativen

Der SPDR S&P Metals and Mining ETF (XME) deckt den amerikanischen Metall-, Bergbau- und Stahlsektor ab. Es ist keine globale Exposition — amerikanische Bergbauunternehmen machen einen kleineren Teil des Weltsektors aus als australische, britische oder brasilianische. Für wirklich globale Exposition sind ETFs besser geeignet, die MSCI World Materials oder iShares Global Mining verfolgen.

Der Materialsektor ist Teil standardmäßiger Weltindizes mit einem Gewicht von etwa 4–5 %. Wer VWCE oder MSCI World hält, hat Bergbau bereits im Portfolio. Ihn zusätzlich hinzuzufügen ergibt nur mit einer klaren These Sinn — zum Beispiel die Elektrifizierungsthese für Kupfer und Lithium.

Risiken, die nicht unterschätzt werden dürfen

Der Bergbausektor ist für einen erfahrenen Anleger eine interessante Diversifikationskomponente — nicht das Fundament eines Portfolios. Das Kerngerüst bleibt ein diversifizierter globaler Index, wie im Erstportfolio-Leitfaden diskutiert. Der sektorbezogene Mehrwert hängt von Timing und Disziplin ab. Dies ist keine Anlageberatung.

Dividenden im Bergbau: variable Politik als Standard

Sowohl BHP als auch Rio Tinto praktizieren eine sogenannte variable Dividendenpolitik — sie zahlen einen Prozentsatz des Gewinns, nicht einen festen Betrag. In einem Jahr hoher Rohstoffpreise explodiert die Dividende. In einem Abschwungjahr fällt sie auf ein Minimum. Das ist ein grundlegender Unterschied zu amerikanischen Dividendenaristokraten oder Versorgungsunternehmen, wo die Dividende relativ stabil ist.

Für Anleger, die ein regelmäßiges Einkommen suchen, ist diese Instabilität ein Nachteil. Für diejenigen, die zyklische Geschäfte verstehen und Dividenden automatisch reinvestieren, ist es tatsächlich ein Vorteil: In Rohstoff-Superzyklen erhält das Portfolio eine Rekorddividende, während das Unternehmen im Abschwung Barmittel für zukünftige Investitionen spart.

Glencore kombiniert diese Politik mit Handelsdiversifikation — Rohstoffhandel generiert auch bei niedrigeren Preisen Einnahmen, weil er am Preisunterschied und der Volatilität verdient, nicht am absoluten Preisniveau.

Wie man Bergbau vernünftig in ein Portfolio integriert

Wer Exposition auf Industriemetalle erwägt, hat im Wesentlichen drei Wege. Direktaktien (BHP, Rio Tinto, Glencore) geben die größte Kontrolle über das Risikoprofil, erfordern aber Verständnis der einzelnen Unternehmen. Sektor-ETFs auf Materialien verteilen das Risiko auf Dutzende von Unternehmen, fügen aber weniger relevante Komponenten wie Chemie oder Papier hinzu. Ein globaler Index schließt den Materialsektor automatisch zu etwa 4–5 % ein und erfordert keinerlei Entscheidung.

Bergbau ist eine gute Diversifikationskomponente in einer Zeit, wenn die Inflation strukturell höher bleibt und physische Vermögenswerte an Wert halten. Ungeeignet ist er als Hauptrenditetreiber eines Portfolios oder für Anleger mit kurzem Horizont — Rohstoffzyklen dauern Jahre, nicht Monate. Mehr zum Sektoransatz im ETF-Leitfaden.

Die ökologische Transformation des Bergbaus: ESG und Betriebsgenehmigung

Der Bergbausektor gehört zu den größten CO2-Emittenten und größten Wasserverbrauchern im Industriesektor. ESG-Druck verändert die Bedingungen real: Unternehmen ohne klare Dekarbonisierungsstrategie sehen sich mit höheren Kapitalkosten und begrenztem Zugang zu institutionellem Kapital konfrontiert. Sowohl BHP als auch Rio Tinto veröffentlichen detaillierte Emissionsreduktions-Roadmaps und investieren in die Elektrifizierung ihrer Bergbauausrüstung.

Gleichzeitig gibt es ein Paradoxon: Ohne Metallabbau — Kupfer, Nickel, Lithium, Kobalt — ist es unmöglich, die Infrastruktur für die Dekarbonisierung der Wirtschaft zu bauen. Bergbauunternehmen stehen also auf beiden Seiten der Energiewende: Sie sind Teil des Problems (Emissionen, Landschaftsvernichtung) und ein unverzichtbarer Teil der Lösung (Materialien für erneuerbare Energien). Diese Ambivalenz beeinflusst ihre Bewertungen und macht die Sektoranalyse komplexer als bei Unternehmen mit einem saubereren Profil. Anleger müssen zwischen dem Bergbau für die Fossilbrennstofffirmen (Kesselkohle, Ölsande) und dem Abbau kritischer Minerale für die Elektrifizierung unterscheiden. BHP und Rio Tinto kommunizieren diese Unterscheidung aktiv — sie haben Kohle abgestoßen und betonen ihre Expansion in kritische Minerale, um für ESG-orientierte Fonds investierbar zu bleiben. Das ist ein praktisches Beispiel dafür, wie ESG nicht nur eine ethische Etikette ist, sondern ein Faktor, der den Zugang zu günstigem Kapital beeinflusst.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen BHP und Rio Tinto?

Beide sind diversifizierte Bergbauunternehmen mit Exposition auf Eisenerz und Kupfer, unterscheiden sich aber in der Struktur. BHP hatte historisch ein größeres Gewicht auf Eisenerz, während Rio Tinto im Aluminium stärker ist und eine Präsenz in Lithium hat. Glencore unterscheidet sich durch die Hinzufügung von Rohstoffhandel.

Ist der ETF XME für Anleger in der EU geeignet?

XME ist ein amerikanisches ETF ohne UCITS-Status. Für Privatanleger in der EU können Alternativen mit europäischer Regulierung zugänglicher sein — zum Beispiel der iShares MSCI World Materials UCITS ETF oder Xtrackers MSCI World Materials.

Warum verlängern sich Rohstoffzyklen so lange?

Weil Investitionen in neue Bergbaukapazitäten 5–10 Jahre von der Entscheidung bis zur Produktion dauern. Wenn die Preise fallen, werden Investitionen gestoppt. Das schränkt das zukünftige Angebot ein. Wenn die Nachfrage wieder steigt, fehlen Kapazitäten und Preise schnellen in die Höhe. Diese Verzögerung ist eine strukturelle Eigenschaft des Sektors.

In der App mit Werkzeugen öffnen →