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Investitionsfehler des Monats: Übertriebene Reaktion auf Neujahresprognosen

5 Min. LesezeitCompound

Das Wichtigste

Januar ist der Monat, in dem Analysten, Banker und Finanzmedien den Markt mit Prognosen überschwemmen — und Investoren in großer Zahl einen ihrer teuersten Fehler begehen: Sie ändern ihr Portfolio auf Basis von Zahlen, denen sie nicht vertrauen sollten.

Wie der Fehler in der Praxis aussieht

Das Szenario wiederholt sich: Sie lesen den Ausblick einer renommierten Bank oder eines Ökonomen, der sagt, Aktien würden dieses Jahr schwach sein (oder umgekehrt stark). Sie entscheiden, einen Teil des Portfolios in Bargeld, Anleihen, Gold oder umgekehrt in Aktien zu verschieben. Der Schritt wird durch eine bestimmte Zahl oder Prognose motiviert. Das Problem: Prognosen sind generell unzuverlässig. Und selbst wenn sie im Durchschnitt richtig wären, muss Ihr Timing der Reaktion es nicht sein.

Warum das Gehirn das tut

Psychologen beschreiben diese Tendenz als Kombination aus Verfügbarkeitsheuristik (Prognosen sind sichtbar und zugänglich, daher übergewichtet das Gehirn sie) und Kontrollillusion (durch Verschiebung des Portfolios haben Sie das Gefühl, die Situation „in den Griff bekommen" zu haben). Beide Mechanismen sind in anderen Kontexten adaptiv — beim Investieren sind sie kontraproduktiv.

Außerdem ist der psychologische Effekt im Januar stärker als gewöhnlich: Ein neues Jahr erweckt den Eindruck eines sauberen Blatts und neuer Anfänge, was die Bereitschaft zu dramatischen Änderungen erhöht. Mehr über kognitive Fehler beim Investieren lesen Sie im Artikel Was ist Risiko.

Kosten, die Sie nicht sofort sehen

Jede Portfoliobewegung hat ihren Preis — auch eine, die „vernünftig" erscheint:

Was man stattdessen tun sollte

Lesen Sie Prognosen als Teil der makroökonomischen Bildung — nicht als Handlungsanweisung. Fragen Sie stets: Was sind die Annahmen? Wie weit weicht diese Prognose vom Konsens ab? Was müsste der Markt tun, damit sich die Prognose als falsch erweist? Dann kehren Sie zu Ihrer Strategie zurück. Wenn Ihre Allokation mit Ihren Zielen und Ihrem Risikoprofil übereinstimmt, ist Januar kein Grund, sie zu ändern. Über Szenariodenken als Alternative zu Prognosen lesen Sie im Makro-Artikel.

Regel: Wenn Sie vorhaben, eine größere Portfolioänderung aufgrund einer bestimmten Prognose oder eines Ausblicks vorzunehmen, geben Sie sich 48 Stunden Zeit. Lesen Sie dann auch die Gegenargumente. Entscheiden Sie sich dann. In den meisten Fällen werden Sie nichts ändern — und das ist die richtige Antwort.

Im Blog finden Sie weitere Artikel über die Psychologie des Investierens und häufige Fehler, die es zu vermeiden gilt.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, wann eine Portfolioänderung gerechtfertigt ist und wann es nur eine Reaktion auf eine Prognose ist?

Eine gerechtfertigte Änderung geht von einer Änderung Ihrer persönlichen Situation aus (Ruhestand naht, Einkommen ändert sich, Ziel ändert sich) oder von einer Rebalancierung außerhalb des Toleranzbandes. Eine Reaktion auf eine Prognose ist eine Änderung, die durch eine externe Zahl motiviert wird, nicht durch Ihre Strategie oder Situation.

Sind Prognosen doch irgendwie nützlich?

Ja — als Bildungsmaterial und zum Verstehen des Konsenses. Das Problem entsteht, wenn Sie sie als direkte Grundlage für Handelsentscheidungen verwenden. Prognosen sagen Ihnen, wie der Markt denkt — nicht, was passieren wird.

Wie kann ich mich in den kommenden Monaten vor diesem Fehler schützen?

Die effektivste Methode ist eine schriftliche Investitionsregel — zum Beispiel: „Ich nehme keine Portfolioänderungen vor, die X % überschreiten, ohne meine ursprüngliche Strategie zu konsultieren und mindestens 48 Stunden Pause einzulegen." Eine schriftliche Regel ist stärker als Willenskraft im Entscheidungsmoment.

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