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Triumph der Optimisten (Dimson, Marsh, Staunton): Ein globaler Blick auf 100 Jahre Renditen
Das Wichtigste
- Aktien übertrafen Anleihen und Bargeld in fast allen untersuchten Ländern über 100+ Jahre — aber die Unterschiede zwischen den Ländern sind groß.
- Der US-Markt war im 20. Jahrhundert außergewöhnlich erfolgreich — US-Daten als universelle Wahrheit zu behandeln, ist ein Fehler.
- Globale Diversifikation reduziert das Risiko des „Wettens auf ein Land" und ist empirisch belegt.
- Aktienprämie — die Prämie von Aktien über den risikofreien Ertrag — ist real, aber kleiner als viele glauben.
- Eine deutsche Übersetzung wurde wahrscheinlich nicht veröffentlicht — das Buch ist im englischen Original erhältlich.
Was würden die Daten sagen, wenn Investmentforschung nicht so amerikanisch wäre? Genau diese Frage stellten sich Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton von der London Business School. Das Ergebnis ist Triumph of the Optimists — und über 100 Jahre Daten aus 16 Ländern.
Warum globale Daten wichtig sind
Die meisten wichtigen Investmentstudien basieren auf dem US-Markt. Aber US-Aktien waren im zwanzigsten Jahrhundert außergewöhnlich erfolgreich — sie überlebten beide Weltkriege ohne direkte Schäden an ihrem Territorium, dominierten die Weltwirtschaft und profitierten von einem demografischen Boom. Amerikanische Schlussfolgerungen als allgemein anwendbar zu behandeln, ist ein methodischer Fehler.
Dimson, Marsh und Staunton stellten eine Datenbank von Aktien-, Anleihen- und Bargeldrenditen für 16 Länder ab 1900 zusammen. Sie schlossen absichtlich Märkte ein, die Katastrophen erlebten — den russischen Markt, der nach 1917 verstaatlicht wurde, den deutschen Markt nach der Hyperinflation.
Hauptergebnisse
- Aktienprämie ist real: Aktien übertrafen Anleihen in 15 der 16 untersuchten Länder über den gesamten Zeitraum. Die Ausnahme war das Russische Kaiserreich, dessen Markt durch die Revolution zerstört wurde.
- Die Streuung zwischen den Ländern ist groß: Der australische Markt erzielte einige der höchsten Realrenditen; süd- und europäische Märkte lagen dahinter.
- Amerikanische Ausnahmestellung: Die USA waren einer der besten Märkte des zwanzigsten Jahrhunderts — aber überdurchschnittliche Performance setzt sich nicht automatisch in die Zukunft fort.
Aktienprämie und ihre Zukunft
Die Autoren warnen vor einem klassischen Problem: Historische Aktienprämie ist eine ex-post Beobachtung, keine Garantie für zukünftige Renditen. Außerdem — je mehr Investoren die historischen Daten kennen und deshalb Aktien besitzen wollen, desto höher die Preise und desto niedriger die künftigen Renditen.
Ihre Schätzung einer „vernünftigen" künftigen Aktienprämie ist konservativer als die rohen historischen Zahlen nahelegen: rund 3–4 % reale Jahresrendite über dem risikofreien Zins.
Für wen das Buch ist
Triumph of the Optimists ist akademische Arbeit — lesbar für einen engagierten Investor, aber datenreich. Es ist keine leichte Urlaubslektüre. Am besten funktioniert es als Referenz, zu der man nach dem Lesen zugänglicherer Bücher zurückkehrt. Eine deutsche Übersetzung wurde wahrscheinlich nicht veröffentlicht. Rezensionen anderer Bücher finden Sie im Buchbereich. Was ein Aktienindex ist, erklärt dieser Artikel.
Häufige Fragen
Gibt es eine deutsche Übersetzung?
Wahrscheinlich nicht. Triumph of the Optimists ist im englischen Original erhältlich. Es ist ein akademisch orientiertes Buch — das Lesen auf Englisch erfordert ein höheres Sprachniveau als populärwissenschaftliche Titel.
Warum wird der US-Markt im Buch als außergewöhnlich bezeichnet?
Die Autoren zeigen, dass der US-Markt im 20. Jahrhundert aufgrund einer Kombination historischer, politischer und wirtschaftlicher Faktoren einer der besten der Welt war. Amerikanische Renditen als „normal" für globale Investoren zu extrapolieren, ist ein Fehler, weil andere Märkte deutlich unterschiedliche Ergebnisse hatten.
Was sagt das Buch über Anleihen?
Anleihen übertrafen Bargeld in den meisten Ländern, lagen aber hinter Aktien zurück. Ihre Schlüsselrolle ist Diversifikation und Portfoliostabilisierung, nicht Renditemaxiierung. Die Autoren warnen vor Inflationsrisiko für lange Anleihen — historisch waren die Realrenditen in Inflationsepisoden stark negativ.
Wie unterscheidet es sich von Siegels Aktien für die Ewigkeit?
Siegel arbeitet hauptsächlich mit US-Daten und ist zugänglicher. Dimson, Marsh und Staunton bringen eine globale Perspektive mit Daten aus 16 Ländern und sind akademisch präziser. Beide Bücher ergänzen sich — Siegel für Zugänglichkeit, DMS für globale Strenge.