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Warum Sie Prognosen und Expertenvorhersagen ignorieren sollten
Das Wichtigste
- Studien belegen immer wieder, dass die durchschnittliche Genauigkeit von Expertenprognosen statistisch nicht besser ist als der Zufall.
- Das Selbstvertrauen eines Analysten oder seine Medienpräsenz korreliert nicht mit der Prognosegenauigkeit.
- Der Versuch, auf Basis von Prognosen den Markt zu timen, mindert die Durchschnittsrendite des Anlegers gegenüber dem schlichten Halten des Index.
- Eine bessere Strategie ist es, kurzfristige Vorhersagen zu ignorieren und einen langfristigen Plan mit regelmäßigem Investieren zu verfolgen.
Expertenprognosen für Aktienmärkte sind statistisch nicht von Zufallstreffern zu unterscheiden — und dennoch folgen Anleger ihnen und handeln danach, zu ihrem eigenen Schaden.
Warum prognostizieren Experten so schlecht?
Philip Tetlock verbrachte zwanzig Jahre damit, die Genauigkeit politischer und wirtschaftlicher Experten zu verfolgen. Das Ergebnis: Der durchschnittliche Experte sagt die Zukunft nur geringfügig besser voraus als eine zufällige Auswahl. Aktienanalysten schneiden nicht besser ab. Das Problem liegt nicht an mangelnder Intelligenz — Märkte sind komplexe adaptive Systeme, in denen jede öffentlich gemachte Information das Verhalten der Teilnehmer sofort verändert und damit die Zukunft, die die Prognose vorhersagte.
Was sagen Daten über Kursziele aus?
Die CXO Advisory Group verfolgte über 6.000 konkrete Prognosen von Marktgurus über fünfzehn Jahre. Durchschnittliche Trefferquote bei der Vorhersage der Marktrichtung: etwa 47 %. Das ist schlechter als ein Münzwurf. Und das gilt für die meistbeachteten Namen, deren Aussagen die Medienberichterstattung bewegen.
- Kursziele von Analysten sind systematisch zu optimistisch — insbesondere in einem Bullenmarkt.
- Die Konsensus-Prognose „Wall Street für das nächste Jahr" gibt in etwa der Hälfte aller Fälle die Marktrichtung falsch an.
- Je weiter der Prognosehorizont, desto schlechter die Genauigkeit.
Wie schaden Prognosen dem einzelnen Anleger?
DALBAR verfolgt jährlich, welche Rendite der durchschnittliche amerikanische Anleger tatsächlich in seinem Portfolio erzielte, gegenüber dem, was der Index einbrachte. Das Ergebnis ist konsistent: Anleger bleiben deutlich hinter dem Index zurück. Der Hauptgrund? Market Timing, motiviert durch Medienrauschen — Verkäufe bei negativen Prognosen und Käufe in der Euphorie. Wer den Index ohne Handeln hält, hat den durchschnittlichen aktiven Anleger in jedem Zwanzig-Jahres-Fenster der letzten 50 Jahre geschlagen. Mehr dazu im Artikel aktives vs. passives Investieren.
Was statt Prognosen?
Investieren Sie regelmäßig unabhängig vom „Marktausblick" — siehe DCA-Durchschnittskosteneffekt. Legen Sie einen Plan fest, den Sie auch in einem Abschwung einhalten können. Ignorieren Sie Prognosen genauso wie das gestrige Wetter.
Häufige Fragen
Sind wirklich alle Prognosen nutzlos?
Kurzfristige Vorhersagen der Marktrichtung — ja, sie sind statistisch nicht von Zufallstreffern zu unterscheiden. Langfristige strukturelle Trends (wie demografische Entwicklungen oder Technologieadoption) haben einen größeren Vorhersagewert, aber auch dort lässt sich der Markt nicht präzise timen.
Was ist DALBAR und was hat es herausgefunden?
DALBAR ist ein Forschungsunternehmen, das jährlich die tatsächlichen Renditen des durchschnittlichen Anlegers mit der Indexrendite vergleicht. Anleger schneiden konsequent schlechter ab, weil sie nach Kursanstiegen kaufen und nach Kursrückgängen verkaufen — genau das Gegenteil von dem, was sie sollten.
Sollte ich Finanzmedien überhaupt verfolgen?
Für allgemeine Bildung und Kontextverständnis können Sie das gerne tun. Aber konkrete Aussagen wie „der Markt geht auf X" oder „verkaufen Sie Y" sollten Sie ignorieren. Treffen Sie Entscheidungen auf Basis Ihrer eigenen Strategie und Ihres Zeithorizonts, nicht auf Basis der aktuellen Schlagzeile.