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Spread: Warum Sie bei jedem ETF-Kauf eine versteckte Gebühr zahlen

6 Min. LesezeitCompound

Das Wichtigste

Jana, 29, aus Prag, kaufte letztes Jahr ihren ersten ETF. Auf ihrem Brokerkonto sah sie, dass sie null Transaktionsgebühren gezahlt hatte. Ausgezeichnet, dachte sie. Aber drei Tage später bemerkte sie, dass sie trotz null expliziter Gebühren etwas teurer gekauft hatte als der Kurs, den sie am Tag zuvor beobachtet hatte. Was war passiert? Sie hatte den Spread bezahlt. Das passiert jedem Anleger bei jedem Handel — nur wenige wissen, wie groß dieser Kostenfaktor ist und wie man ihn kontrolliert.

Was ist Bid, Ask und warum existiert die Lücke dazwischen?

Jede Börse funktioniert als Markt mit Doppelpreisen. Es gibt den Bid — den höchsten Preis, den ein Käufer zu einem gegebenen Zeitpunkt zu zahlen bereit ist. Und es gibt den Ask — den niedrigsten Preis, zu dem ein Verkäufer zu verkaufen bereit ist. Die Differenz zwischen diesen beiden Zahlen ist der Spread.

Ein praktisches Beispiel: VWCE wird zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einem Bid-Preis von sagen wir 105,00 EUR und einem Ask-Preis von 105,05 EUR gehandelt. Der Spread beträgt 0,05 EUR oder etwa 0,05%. Wenn Sie zum Ask kaufen (105,05 EUR) und sofort zum Bid verkaufen (105,00 EUR), verlieren Sie diese 0,05 EUR pro Anteil ohne jede Marktbewegung. Das sind Ihre Liquiditätskosten.

Warum existiert diese Lücke überhaupt? Weil Market Maker — Firmen, die sicherstellen, dass immer eine Gegenpartei für Ihren Auftrag vorhanden ist — für ihren Service und das Risiko entschädigt werden müssen. Der Spread ist ihre Marge. Ohne Market Maker wäre ein ETF praktisch unhandelbar.

Wie groß ist der Spread bei verschiedenen ETFs?

So prüfen Sie den Spread vor dem Kauf: Auf justETF finden Sie den durchschnittlichen Spread für jeden ETF. Alternativ öffnen Sie das Auftragsfenster in Ihrer Broker-App und schauen Sie sich den aktuellen Bid- und Ask-Preis an, bevor Sie den Kauf bestätigen. Zwei Klicks mehr, potenziell Hunderte von Euro gespart.

Limit-Order: der einfachste Weg, den Spread zu kontrollieren

Eine Market-Order sagt dem Broker: Kaufen Sie jetzt, zu welchem Preis der Markt auch anbietet. Eine Limit-Order sagt: Kaufen Sie, aber nur wenn der Preis auf X oder darunter fällt. Der Unterschied liegt nicht in der Technik — sondern in der Kontrolle. Anfänger verwenden Market-Orders, weil sie einfach sind. Erfahrenere nutzen Limit-Orders, weil sie günstiger sind.

Spread im Kontext anderer Kosten

Der Spread ist nur einer von drei Hauptkostenfaktoren beim ETF-Investieren. Daneben zahlen Sie die TER (jährliche Verwaltungsgebühr, im Prospekt ersichtlich) und die Transaktionsgebühr des Brokers. Der Spread versteckt sich im Preis und ist der am wenigsten transparente der drei. Bei liquiden UCITS ETFs auf große Indizes ist er so klein, dass Sie sich als Langzeitanleger praktisch keine Gedanken machen müssen. Das Problem entsteht bei exotischen Sektoren oder Fonds mit kleinem AUM.

Häufige Fragen

Warum zeigt mein Broker null Gebühren, aber ich zahle trotzdem mehr?

Broker mit null expliziten Transaktionsgebühren verdienen auf andere Weise — unter anderem am Spread oder durch Payment for Order Flow. Null Gebühren bedeutet nicht, dass Sie kostenlos handeln. Schauen Sie sich immer den Bid-Ask-Spread im Auftragsfenster an, bevor Sie einen Kauf bestätigen.

Wie finde ich den durchschnittlichen Spread für einen bestimmten ETF?

Auf justETF finden Sie für jeden ETF einen Reiter mit dem durchschnittlichen Spread. Alternativ öffnen Sie das Auftragsdetail in Ihrer Broker-App vor dem Kauf — dort sehen Sie das aktuelle Bid und Ask in Echtzeit. Der Spreadvergleich zwischen ETFs ist ein schneller Weg, weniger liquide Fonds mit höheren versteckten Kosten zu identifizieren.

Zahle ich Spread auch bei der Wiederanlage von Dividenden?

Wenn Sie einen thesaurierenden ETF (Acc) verwenden, werden Dividenden automatisch innerhalb des Fonds reinvestiert und Sie zahlen keinen Spread. Wenn Sie einen ausschüttenden ETF haben und Dividenden manuell reinvestieren, ja — jede solche Transaktion hat ihren eigenen Spread. Das ist ein praktischer Grund, warum Acc-ETF-Varianten in vielen europäischen Märkten bevorzugt werden.

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