Recenze knih
Das Wichtigste beim Investieren (Howard Marks): Rezension und wichtigste Erkenntnisse
Das Wichtigste
- Außergewöhnliche Renditen entstehen nicht aus richtigen Annahmen, sondern aus anderen und richtigen — „Second-level thinking".
- Risiko ist nicht Volatilität, sondern die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften Kapitalverlusts — das ist Marks' zentrale Botschaft.
- Marktzyklen sind unvermeidlich und Anleger müssen wissen, wo im Zyklus sie stehen — nicht wann genau er dreht.
- Defensives Investieren (Schutz vor Verlust) ist wichtiger als offensives Investieren (Renditeoptimierung).
- Das Buch ist primär auf Englisch verfügbar; die „Illuminated"-Ausgabe enthält Kommentare weiterer Investoren.
Howard Marks, Gründer von Oaktree Capital, schreibt nicht darüber, wie man so viel wie möglich verdient. Er schreibt darüber, wie man das, was man hat, nicht verliert. Und das ist an sich schon eine seltene Perspektive.
Worum es im Buch geht
Das Buch fasst Marks' wichtigste Memo-Gedanken aus Jahrzehnten des Investierens zusammen. Jedes Kapitel widmet sich einer „wichtigsten Sache" — vom Second-level thinking über Risiko und Marktzyklen bis hin zum defensiven Investieren. Marks bietet keine Anleitung „wie man eine Aktie kauft" — er gibt einen philosophischen Rahmen für wie man über Risiko und Rendite nachdenkt.
Second-level thinking
Das Schlüsselkonzept: First-level thinking sagt „Dieses Unternehmen wächst, ich kaufe die Aktie." Second-level thinking sagt „Alle wissen, dass es wächst — ist das im Kurs? Was passiert, wenn das Wachstum enttäuscht?" Es geht darum zu verstehen, dass es an Märkten nicht nur darum geht, recht zu haben, sondern recht in einer Weise zu haben, die vom Konsens abweicht.
Risiko als Wahrscheinlichkeit
Marks lehnt die Messung von Risiko durch Volatilität ab (wie es akademische Finanzen tut). Für ihn ist Risiko die Wahrscheinlichkeit, Geld zu verlieren — und diese Wahrscheinlichkeit wächst mit dem Preis, dem Hebel und der Markteuphorie. Diese Sichtweise liegt näher an der Realität als der Beta-Koeffizient.
Für wen und Schwächen
Dieses Buch ist nicht für absolute Anfänger — es setzt Grundkenntnisse des Investierens voraus. Es ist ein philosophisches und konzeptionelles Buch, kein Handbuch. Eine Schwäche sind gewisse Wiederholungen zwischen den Kapiteln und die Tatsache, dass Marks primär aus der Perspektive eines Anleihen- und Distressed-Investors schreibt, nicht eines Aktieninvestors. Dennoch ist es eines der bestgeschriebenen Bücher über Investmentpsychologie und Risiko.
Weitere Buchrezensionen finden Sie in der Rubrik Buchrezensionen. Wenn Sie sich für die psychologische Seite des Investierens interessieren, lesen Sie auch was Risiko ist und wie man es misst.
Häufige Fragen
Ist das Buch auf Deutsch verfügbar?
Eine deutschsprachige Ausgabe von „The Most Important Thing Illuminated" von Howard Marks ist erschienen — suchen Sie danach unter dem Originaltitel oder einer deutschen Übersetzung.
Für wen ist „Das Wichtigste beim Investieren" geeignet?
Für Anleger mit zumindest etwas Praxiserfahrung, die ihre Investitionsphilosophie vertiefen möchten. Es ist kein erstes Buch für den absoluten Anfänger — starten Sie woanders und kehren Sie zu Marks zurück.
Was ist Second-level thinking und warum ist es wichtig?
First-level thinking reagiert auf offensichtliche Informationen. Second-level thinking fragt: Was ist bereits im Kurs und was übersehen andere? Ohne diesen Ansatz ist es schwer, den Marktdurchschnitt langfristig zu übertreffen.