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Narrt vom Zufall (Nassim Taleb): Warum wir Glück mit Geschick verwechseln
Das Wichtigste
- Menschen unterschätzen systematisch die Rolle des Zufalls und überschätzen die Rolle des Geschicks bei Investmentergebnissen.
- Survivorship Bias: Wir sehen erfolgreiche Investoren und ignorieren Tausende von erfolglosen mit der gleichen Strategie.
- Die vergangene Performance eines Fonds oder Managers ist ein sehr schwacher Prädiktor für zukünftige Performance.
- Das menschliche Gehirn ist nicht von Natur aus dafür ausgestattet, kleine Wahrscheinlichkeiten großer Verluste zu begreifen.
- Eine tschechische Übersetzung unter dem Titel Náhodný klam existiert.
Nassim Taleb ist provokativ, übertrieben und manchmal unerträglich arrogant. Er hat auch im Kern seiner Argumentation Recht und ist unverzichtbare Lektüre. Narrt vom Zufall — der erste Teil seiner Incerto-Serie — greift einen der verbreitetsten Mythen in der Finanzwelt an.
Die Hauptthese: Wir verwechseln Glück mit Geschick
Taleb beginnt mit einem einfachen Gedanken: Wenn tausend Affen jedes Jahr eine Münze werfen, wird nach zehn Jahren ein Affe zehnmal hintereinander Kopf geworfen haben. Wir beginnen zu glauben, es sei ein Genie. Wir laden es zu Vorträgen ein. Es schreibt Bücher über die Münzwurf-Methode.
Die Finanzindustrie verhält sich ähnlich. Jedes Jahr tauchen Star-Manager mit außergewöhnlichen Ergebnissen auf. Kunden schütten Milliarden hinein. Und nach einem weiteren Jahrzehnt stellt sich heraus, dass die Ergebnisse größtenteils Zufall waren.
Survivorship Bias und seine Implikationen
Survivorship Bias (das systematische Ignorieren von Überlebenden) ist laut Taleb einer der gefährlichsten Fehler im Investitionsdenken. Wir sehen Hedge-Fonds, die 30 % pro Jahr erzielten. Wir sehen nicht die Hunderte von Fonds, die kollabierten oder still schlossen. Ergebnis: Unsere Wahrnehmung der „durchschnittlichen" Performance ist dramatisch verzerrt.
- Fonds-Performance-Datenbanken sind verzerrt — erfolglose Fonds verschwinden daraus.
- Investment-Gurus sind normalerweise Menschen, die eine gute Serie hatten — nicht unbedingt die Klügsten.
- Vergangener Erfolg ist ein schwacher Prädiktor für zukünftigen Erfolg bei aktiv verwalteten Fonds.
Warum unser Gehirn versagt
Taleb zieht Verhaltenspsychologie heran, um zu zeigen, dass das menschliche Gehirn für eine Welt evolved ist, in der kleine Wahrscheinlichkeiten großer Katastrophen nicht existierten. Wir sind schlecht kalibriert, um Risiken einzuschätzen, die einmal alle zwanzig Jahre auftreten — aber verheerend sind, wenn sie es tun.
Ein Investor, der zehn ruhige Jahre an den Märkten erlebt, gewöhnt sich an niedrige Volatilität als Norm. Dann kommt 2008 oder 2020 und er wird überrascht — obwohl historische Daten solchen Ereignissen eine sinnvolle Wahrscheinlichkeit zuweisen.
Praktische Erkenntnisse
Taleb rät nicht, wie man investiert — er warnt vor Selbsttäuschung. Praktische Lektionen für den Investor: Seien Sie skeptisch gegenüber Star-Ergebnissen über kurze Horizonte, bevorzugen Sie Systeme gegenüber Einzeltipps und diversifizieren Sie — nicht als Ritual, sondern als Schutz gegen das, was Sie nicht verstehen. Mehr über Risiko im Artikel über was Risiko ist und wie man es misst. Weitere Buchempfehlungen in Buchrezensionen.
Häufige Fragen
Gibt es eine deutsche Übersetzung?
Ja, auf Tschechisch erschien Náhodný klam. Auf Deutsch erschien das Buch unter dem Titel „Narrt vom Zufall". Es ist der erste und zugänglichste Teil von Talebs Incerto-Serie — ein guter Einstiegspunkt vor dem Lesen von Der Schwarze Schwan oder Antifragilität.
Ist Taleb für Anfänger geeignet?
Als zweites oder drittes Investment-Buch ja. Taleb ist manchmal dicht und selbstbezogen, aber die Ideen sind grundlegend. Anfängern wird empfohlen, zunächst zugänglichere Einführungsbücher zu lesen — dann Taleb für einen kritischen Blick auf die Branche.
Was ist Survivorship Bias und warum ist er gefährlich?
Survivorship Bias ist die Tendenz, Ergebnisse nur auf Basis der Überlebenden zu bewerten — erfolgreiche Fonds, Investoren, Unternehmen. Die erfolglosen verschwinden aus Datenbanken und aus dem Gedächtnis. Das Ergebnis ist eine systematische Überschätzung der durchschnittlichen Ergebnisse und Unterschätzung des Misserfolgsrisikos.
Wie unterscheidet sich Narrt vom Zufall von Der Schwarze Schwan?
Narrt vom Zufall konzentriert sich auf die alltägliche Rolle der Zufälligkeit und des Survivorship Bias beim Investieren. Der Schwarze Schwan geht weiter und behandelt extreme, unvorhersehbare Ereignisse mit enormer Wirkung. Die beste Lesereihenfolge ist Narrt vom Zufall zuerst.