Strategie
Value-Investing nach dem Vorbild von Graham und Buffett
Das Wichtigste
- Value-Investing kauft Unternehmen zu einem Preis unter ihrem inneren Wert — die sogenannte Sicherheitsmarge.
- Graham konzentrierte sich auf statistisch günstige Aktien; Buffett ergänzte die Betonung der Unternehmensqualität.
- KBV, KGV und EV/EBITDA sind die grundlegenden Werkzeuge zur Identifizierung von Value-Aktien.
- Value-Strategien durchlaufen längere Phasen der Underperformance (sog. Value-Dürre) — das testet Ihre Geduld.
- Die Kombination aus Qualität und Günstigem (Quality at a Reasonable Price) ist heute der dominante Ansatz.
Value-Investing ist eine Strategie, die Aktien von Unternehmen zu einem Preis unter ihrem inneren (fundamentalen) Wert kauft — und wartet, bis der Markt diese Lücke schließt.
Benjamin Graham: der Vater des Value-Investings
Graham formulierte in The Intelligent Investor (1949) das Grundprinzip: Kaufen Sie mit ausreichender Sicherheitsmarge. Sein Ansatz war statistisch — er suchte Aktien mit niedrigem KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) oder niedrigem KGV, ohne eine tiefe Analyse jedes Unternehmens zu benötigen. Er arbeitete mit einem diversifizierten Korb günstiger Aktien in der Erwartung, dass sie im Durchschnitt gut abschneiden würden.
Warren Buffett: Qualität zu einem fairen Preis
Buffett entwickelte Grahams Ansatz weiter. Unter dem Einfluss von Charlie Munger erkannte er, dass ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Preis ein durchschnittliches Unternehmen zu einem großartigen Preis schlägt. Der Schlüssel wurde das Finden von Unternehmen mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil (Economic Moat) — starke Marke, Netzwerkeffekt, Wechselkosten. Der Preis spielt immer noch eine Rolle, aber die Unternehmensqualität hat Vorrang.
- KBV unter 1 — das Unternehmen wird unter seinem Buchwert gehandelt (klassisches Graham-Signal).
- Niedriges KGV — das Unternehmen verdient im Verhältnis zu seinem Preis viel.
- Hoher und stabiler ROIC — das Unternehmen allokiert Kapital effizient (Buffett-Filter).
Value-Dürre und Geduld
Value-Aktien durchliefen in den Jahren 2010–2020 eine ausgeprägte Phase der Underperformance gegenüber Wachstumsaktien. Das trieb viele Anleger ab. Jede Strategie hat ihren Zyklus — Value ist da keine Ausnahme. Für den Privatanleger, der keine Aktien aktiv auswählen möchte, gibt es Value-ETFs (z. B. iShares Edge MSCI World Value Factor), die diesen Ansatz systematisch replizieren.
Wo anfangen
Value-Investoren beginnen typischerweise mit der Lektüre von Grahams The Intelligent Investor oder den Jahresberichten von Berkshire Hathaway, in denen Buffett seinen Denkprozess erläutert. Über Managementqualität, den wichtigsten Filter von Buffetts Ansatz, schrieben wir in der vorherigen Analyse. Die Auswahl einer Brokerplattform beschreibt der Leitfaden für tschechische Anleger.
Häufige Fragen
Was ist Value-Investing?
Eine Strategie, die Aktien zu einem Preis unter ihrem inneren Wert kauft. Sie gründet auf dem Prinzip der Sicherheitsmarge — einem Puffer, der vor Schätzfehlern und unerwünschten Überraschungen schützt.
Was ist der Unterschied zwischen Graham und Buffett?
Graham suchte statistisch günstige Aktien (niedriges KBV, KGV) ohne tiefe Analyse. Buffett ergänzte die Betonung der Unternehmensqualität — er sucht Unternehmen mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil zu einem angemessenen, nicht unbedingt günstigen Preis.
Was ist eine Value-Falle?
Eine Aktie, die günstig aussieht, aber aus gutem Grund günstig ist — ein sterbendes Geschäft, schlechte Führung oder struktureller Branchenwandel. Billigkeit ohne Qualität ist eine Falle.
Wie kann ich Value-Investing als Privatanleger praktizieren?
Der einfachste Weg sind Value-ETFs (Faktor-Fonds), die günstige Aktien nach definierten Kriterien systematisch auswählen. Die direkte Aktienauswahl erfordert tiefe analytische Arbeit und viel Geduld.