ETF v praxi
Wann man ein neues oder trendiges ETF NICHT kaufen sollte: Warnsignale
Das Wichtigste
- Ein ETF mit kurzer Historie (unter 3 Jahren) hat kein erprobtes Verhalten über verschiedene Marktbedingungen.
- Ein kleines Fondsvolumen (unter 100 Mio. EUR) erhöht das Risiko einer Schließung oder schlechter Liquidität.
- Thematische ETFs haben oft hohe Konzentration in einer kleinen Anzahl von Unternehmen — der „Storyzuschlag" bedeutet höhere TER und Volatilität.
- Ein neues ETF nach einer Phase starker Themenperformance aufzulegen ist ein klassisches Warnsignal.
- Trendhype garantiert keine künftige Wertentwicklung — das heiße Thema von letztem Jahr muss die nächsten 10 Jahre nicht funktionieren.
Der gefährlichste Moment für den Kauf eines thematischen oder neuen ETF ist dann, wenn alle darüber reden — denn dann ist der „Optimismuspreisaufschlag" fast sicher bereits im Kurs eingepreist.
Warnsignal Nr. 1: Der Fonds wurde gerade nach starker Performance aufgelegt
Die meisten thematischen ETFs entstehen als Reaktion auf das, was in den Vorjahren gut lief. Krypto-ETFs wurden massenhaft in Zeiten von Bitcoin-Hochs aufgelegt. Clean-Energy-ETFs kamen in der Zeit auf, als Grünpolitik die Märkte trieb. Der Fondsanbieter reagiert auf Anlegerinteresse, nicht auf Zukunftsvorhersagen. Wenn der Fonds erst seit einem Jahr besteht und das Thema noch immer Schlagzeilen macht, haben Sie ein rotes Warnsignal.
Warnsignal Nr. 2: Hohe Konzentration und kleiner Fonds
Thematische ETFs haben in den Top-10-Positionen oft 50–80 % der Aktiva. Das bedeutet, die „Diversifikation" ist nur oberflächlich — Sie kaufen im Wesentlichen eine Handvoll Unternehmen, verpackt in einer ETF-Hülle. Außerdem droht bei einem Fondsvolumen unter 100 Mio. EUR:
- Höherer Spread beim Handel.
- Risiko der Fondsschließung (Liquidierung oder Zusammenlegung) bei nachlassendem Interesse.
- Schlechteres Tracking des Basisindex.
Warnsignal Nr. 3: Hohe TER
Thematische ETFs berechnen 0,35–0,75 % pro Jahr, manchmal mehr. Das ist 3–7× mehr als ein günstiges globales ETF. Den „Storyzuschlag" zahlen Sie jedes Jahr — unabhängig von der Wertentwicklung. Lesen Sie, wie Gebühren die Rendite über 30 Jahre zerstören.
Was trotzdem gilt
Sektor- oder thematische ETFs können als bewusste taktische Wette ihren Platz im Portfolio haben. Aber nur dann, wenn Sie die Risiken genau kennen, bereit sind für höhere Volatilität und einen klaren Grund haben, warum dieses Thema den gesamten Markt schlagen wird. Den Portfoliokern baut man besser auf All-World oder S&P 500 auf. Mehr Tipps zur ETF-Auswahl im ETF-Leitfaden.
Häufige Fragen
Warum sind neue thematische ETFs riskanter?
Sie haben keine erprobte Bilanz über verschiedene Marktzyklen, sind meist in einer kleinen Anzahl von Unternehmen konzentriert und werden am häufigsten nach einer Phase starker Themenperformance aufgelegt — wenn Vermögenswerte bereits teuer bewertet sind. Fügen Sie eine höhere TER hinzu, und Sie haben eine Kombination aus höheren Kosten und unsicherer Rendite.
Wie groß muss ein Fonds sein, um sicher zu sein?
Als grobe Untergrenze werden 100 Mio. EUR genannt. Darunter steigt das Risiko einer Fondsschließung, schlechterem Index-Tracking und breiteren Spreads. Große Fonds mit Milliarden EUR Volumen sind in dieser Hinsicht am sichersten.
Sind thematische ETFs immer schlecht?
Nein. Sie können als bewusste taktische Wette einen Platz im Portfolio haben — aber nur als Minderheit neben einem breiten globalen Index. Der Schlüssel ist, Konzentration und Kosten zu verstehen und die höhere Volatilität bewusst zu akzeptieren.