ETF v praxi
Wie man ein Portfolio aus 2–4 ETFs zusammenstellt: ein praktischer Leitfaden
Das Wichtigste
- Portfolios aus 2–4 ETFs werden durch Forschung wiederholt als vergleichbar leistungsstark gegenüber komplexeren Varianten bestätigt — zusätzliche Komplexität führt nicht zu besseren Ergebnissen.
- Der Kern (60–100% des Portfolios) ist ein breiter, günstiger Fonds — typischerweise IWDA (entwickelte Märkte) oder ein All-World-ETF, der die gesamte Welt abdeckt.
- Satelliten (0–40%) fügen gezielte Exposure auf Schwellenmärkte, Dividenden oder ein bestimmtes Thema hinzu — aber nur, wenn Sie das verstehen und begründen können.
- Die Gewichtungsauswahl muss auf dem Anlagehorizont, der Risikobereitschaft und der Lebenssituation basieren — nicht auf vergangenen Fondsrenditen.
- Regelmäßiges Rebalancing (einmal jährlich reicht) hält die Gewichtungen nahe am Plan und zwingt systematisch zum Kauf von Gefallenen.
Schritt 1: Den Kern wählen
Der Kern ist das Fundament — er sollte mindestens 60% des Portfolios ausmachen. Die Kriterien sind einfach: niedriger TER, hohe Liquidität, physische Replikation, irisches Domizil. Die drei häufigsten Wahlen:
- IWDA — MSCI World, 23 entwickelte Länder, ohne Schwellenmärkte. Der günstigste der drei.
- EQQQ — NASDAQ-100, US-Technologie, historisch höhere Renditen, aber auch höhere Volatilität. Eher Satellit als Kern.
- All-World-ETF (z.B. Vanguards VWCE) — kombiniert entwickelte und Schwellenmärkte in einem Fonds, die einfachste Variante.
Für Einsteiger ist IWDA oder ein All-World-ETF der beste Start. Mehr im Artikel was ist ein ETF.
Schritt 2: Über Schwellenmärkte entscheiden
Wenn Sie IWDA wählen, fehlen Ihnen Schwellenmärkte (China, Indien, Brasilien). Sie haben drei Möglichkeiten: sie ignorieren, EIMI mit 10–15% hinzufügen oder zu einem All-World-Fonds wechseln. Ein typisches IWDA + EIMI Portfolio sieht so aus: 85% IWDA + 15% EIMI.
Schritt 3: Satelliten — nur wenn Sie wissen warum
Satellitenpositionen (Themen-ETFs, Dividendenfonds, regionale Exposure) können einen Platz im Portfolio haben — aber nur wenn:
- Sie verstehen, was sie hinzufügen und welches Risiko sie mitbringen,
- ihr Gewicht im Voraus festgelegt ist (typischerweise 5–20%),
- Sie es nicht jedes Jahr ändern werden, je nachdem, was gerade steigt.
Beispiele für Satelliten: SMH (Halbleiter), VHYL (Dividenden), EQQQ (tech-lastig).
Schritt 4: Gewichtungen festlegen und rebalancieren
Gewichtungen müssen auf Ihrer Risikobereitschaft und Ihrem Horizont basieren — nicht auf vergangenen Renditen. Schreiben Sie sie auf Papier oder in eine Tabelle. Einmal jährlich prüfen, ob das Portfolio vom Plan abgedriftet ist, und wenn ja, rebalancieren — idealerweise durch Käufe in der untergewichteten Position, nicht durch Verkäufe.
Musterkombinationen
Zwei ETFs: 85% IWDA + 15% EIMI. Drei ETFs: 70% IWDA + 15% EIMI + 15% VHYL (Dividendenkomponente). Vier ETFs: 65% IWDA + 15% EIMI + 10% VHYL + 10% SMH (thematischer Satellit). Eine Übersicht der ETFs und ihrer Parameter finden Sie auf der ETF-Seite.
Häufige Fragen
Wie viele ETFs sind die ideale Anzahl für ein Portfolio?
Für die meisten Anleger sind 1–3 ETFs völlig ausreichend. Vier ETFs sind die obere vernünftige Grenze für einen Privatanleger. Mehr ETFs bringen mehr Komplexität beim Rebalancing und ein höheres Risiko von Überschneidungen — ohne entsprechende Verbesserung der Rendite.
Muss ich Schwellenmärkte haben?
Nein, das ist keine Pflicht. IWDA allein ist ein solider globaler Kern. Schwellenmärkte fügen geografische Diversifikation und Exposure auf schnell wachsende Volkswirtschaften hinzu, aber zum Preis höherer Risiken. Es ist eine persönliche Entscheidung.
Wie setze ich die Gewichtungen zwischen Kern und Satellit?
Eine einfache Regel: Ein Satellit sollte kein höheres Gewicht haben, als Sie psychisch bei einem 50%-Rückgang dieser Position aushalten können. Wenn der Gedanke an einen solchen Rückgang Sie stresst, reduzieren Sie das Gewicht oder nehmen Sie den Satelliten überhaupt nicht auf.
Was ist Rebalancing und wie oft sollte ich es durchführen?
Rebalancing ist die Rückkehr des Portfolios zu den geplanten Gewichtungen. Einmal jährlich reicht für einen langfristigen Anleger. Der einfachste Weg: neue Investitionen in untergewichtete Fonds lenken, Verkäufe vermeiden (steuerliche Auswirkungen).