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Wie man ein Unternehmen schnell bewertet: P/E, P/S und FCF-Rendite als erster Filter
Das Wichtigste
- P/E, P/S und FCF-Rendite sind ein erster Filter bei der schnellen Unternehmensbewertung — sie ersetzen keine tiefergehende Analyse, sparen aber Zeit.
- P/E ergibt nur Sinn beim Vergleich innerhalb desselben Sektors und mit dem historischen Durchschnitt des jeweiligen Unternehmens.
- P/S ist wertvoll für verlustmachende oder schnell wachsende Unternehmen, bei denen P/E nicht funktioniert.
- FCF-Rendite arbeitet mit realem Cashflow, nicht mit buchhalterischem Gewinn — sie ist schwerer zu manipulieren und wird von Value-Investoren bevorzugt.
- Niedrige Bewertungskennzahlen sind ein Ausgangspunkt für die Frage „warum?" — kein automatisches Kaufsignal.
Warum eine schnelle Bewertung sinnvoll ist
Ein detailliertes Finanzmodell eines Unternehmens kann Dutzende von Stunden in Anspruch nehmen. Aber bevor Sie eine solche Analyse beginnen, müssen Sie wissen, ob es sich überhaupt lohnt. Genau dafür sind schnelle Bewertungskennzahlen da — P/E, P/S und FCF-Rendite. Es geht nicht um ein endgültiges Urteil, sondern um einen ersten Filter: Ist der Preis auf den ersten Blick vernünftig, oder ist das Unternehmen offensichtlich überteuert oder unterbewertet? Erst dann lohnt es sich, tiefer zu gehen.
P/E: der Klassiker mit Grenzen
Price-to-Earnings (P/E) ist das Verhältnis des Aktienkurses zum Gewinn je Aktie. Es sagt Ihnen, wie viel Sie pro Einheit des Unternehmensgewinns zahlen. Ein P/E von 20 bedeutet, dass Sie 20 Währungseinheiten für 1 Einheit Jahresgewinn zahlen — oder anders ausgedrückt: Bei konstantem Gewinn würde sich die Investition in 20 Jahren amortisieren.
Aber P/Es Grenzen sind erheblich. Gewinne können manipuliert werden (Rechnungslegungswahlrechte, einmalige Posten). P/E ist für verlustmachende Unternehmen wertlos. Und P/Es verschiedener Sektoren zu vergleichen ist wie den Preis einer Orange mit dem eines Traktors zu vergleichen. Vergleichen Sie P/E immer innerhalb desselben Sektors und mit dem historischen Durchschnitt des jeweiligen Unternehmens.
P/S: der Retter für verlustmachende Unternehmen
Price-to-Sales (P/S) ist das Verhältnis der Marktkapitalisierung zum Umsatz. Es eignet sich für Unternehmen in der Wachstumsphase, die noch keinen Gewinn machen — Technologie-Start-ups, Biotechs oder Unternehmen in der Restrukturierung. P/S 5 besagt, dass Sie für jede Einheit Umsatz 5 Einheiten Marktpreis zahlen.
- Vorteil: hängt nicht von der Rentabilität ab — auch für verlustmachende Unternehmen verwendbar.
- Nachteil: Umsatz sagt nichts über die Rentabilität aus — ein Unternehmen mit P/S 2 kann hervorragend oder eine Katastrophe sein, je nach Marge.
- Verwendung: als Vergleichsinstrument innerhalb eines Sektors und zur Trendverfolgung über die Zeit.
FCF-Rendite: der Liebling der Value-Investoren
Free Cash Flow Yield (FCF-Rendite) ist das Verhältnis des freien Cashflows zur Marktkapitalisierung. Es sagt Ihnen, wie viel reales Bargeld das Unternehmen pro investierte Einheit Marktwert generiert. Im Gegensatz zum P/E arbeitet sie mit Bargeld, nicht mit buchhalterischem Gewinn — daher ist sie schwerer zu manipulieren.
Eine FCF-Rendite von 6 % bedeutet, dass das Unternehmen 6 Cent reales Bargeld pro Einheit Marktwert generiert. Je höher, desto günstiger (bei gleicher Unternehmensqualität). Value-Investoren Warren Buffett und Mohnish Pabrai zählen die FCF-Rendite zu ihren primären Kennzahlen.
Wie man sie als System verwendet
Praktisches Vorgehen: Bestimmen Sie zunächst, in welchem Sektor das Unternehmen tätig ist und wie das durchschnittliche P/E und die FCF-Rendite für vergleichbare Unternehmen ist. Dann vergleichen Sie, wo das betrachtete Unternehmen steht — liegt es deutlich über oder unter dem Durchschnitt? Wenn es unter dem Durchschnitt liegt, fragen Sie sich warum — ist es eine Chance oder eine Falle? Dieser Prozess gibt Ihnen in 10–15 Minuten den ersten Überblick über die Situation.
Für einen tieferen Einstieg in das Value Investing empfehle ich den Buchrezensionsbereich oder das Lesen, warum aktives Aktien-Picking in der Regel gegen den Index verliert. Unternehmensanalysen finden Sie im Analysebereich.
Häufige Fragen
Welches P/E gilt als „normal"?
Das hängt vom Sektor und der Zeit ab. Der historische Durchschnitt des S&P 500 liegt bei rund 15–18. Wachstumsstarke Technologieunternehmen können bei P/E 30–50 handeln. Vergleichen Sie immer mit dem Sektordurchschnitt und dem historischen P/E des jeweiligen Unternehmens.
Warum bevorzugen Anleger FCF gegenüber dem buchhalterischen Gewinn?
Buchhalterische Gewinne können durch legale Rechnungslegungswahlrechte beeinflusst werden (Abschreibungen, Rückstellungen, Aktivierung von Kosten). Free Cash Flow ist die reale Geldbewegung — schwerer zu „verbessern" und spiegelt die tatsächliche Wirtschaftlichkeit des Unternehmens besser wider.
Wie finde ich die FCF-Rendite eines Unternehmens?
Der freie Cashflow (FCF) steht in der Regel in der Kapitalflussrechnung als operativer Cashflow minus Investitionsausgaben (Capex). Dividiert durch die Marktkapitalisierung ergibt sich die FCF-Rendite. Screener wie Finviz, Tikr oder Simply Wall St berechnen sie automatisch.